Der Achtungserfolg der Saar-AfD bei der Landtagswahl

Saar-AfD
AfD-Veranstaltung (Foto von Cerebro-Magazin.de)

Die Landtagswahl im Saarland hat gezeigt, welches Potenzial in der AfD noch schlummert. Obwohl sechs Prozent (das entspricht gerade einmal drei Sitzen) zunächst nach einer Niederlage klingen. Doch betrachtet man die Umstände ist das durchaus ein bemerkenswerter Achtungserfolg.

1. Aus dem Stand in den Landtag

Die Grünen (und der Vollständig halber aufgezählt – die Piraten) haben es nicht geschafft, wieder in den Landtag in Saarbrücken einzuziehen. Und auch die Liberalen konnten die Fünfprozenthürde nicht überwinden. Dass das eine Blamage für die betroffenen Altparteien darstellt, ist klar. Dabei hatten sie gegenüber der AfD einen riesigen Vorteil. Sie konnten auf etablierte Strukturen und Mittel aus der Parteienfinanzierung bzw. Wahlkampfkostenerstattung in Folge der letzten Landtagswahl zurückgreifen. Trotzdem scheiterten sie. Die AfD ist hingegen – wieder – aus dem Stand in ein westdeutsches Landesparlament eingezogen. Für eine so junge Partei ein weiterer, wichtiger Meilenstein auf dem Weg in den Bundestag.

2. Den parteiinternen Streitigkeiten zum Trotz

Kaum eine andere Partei leidet derzeit so sehr unter parteiinternen Streitigkeiten wie die AfD. Nach der Diskussion über die umstrittene Rede von Björn Höcke, in der er das Holocaust-Mahnmal in Berlin als „Denkmal der Schande“ bezeichnete, ist wieder eine unnötige Polarisierung innerhalb der Partei entstanden. Anstatt sich mit dem politischen Gegner zu beschäftigen, wurde lieber über die eigenen Parteifreunde hergezogen. Damit wurden nicht nur potenzielle Wähler abgeschreckt, sondern auch den vielen AfD-Gegnern in Politik und Medien eine Steilvorlage geliefert.

3. Umstrittener Landesverband

„Umstritten“ ist fast schon ein euphemistischer Ausdruck im Hinblick auf die Saar-AfD. Der Landesverband sollte nach Willen des AfD-Bundesvorstands und eines AfD-Bundesparteitags (!) aufgelöst werden. Darüber hinaus forderten die beiden Bundessprecher Frauke Petry und Jörg Meuthen die Saar-AfD auf, nicht an der Landtagswahl teilzunehmen. So etwas hat es in der Geschichte der Bundesrepublik noch nicht gegeben. Auf die einzelnen Skandale des Landesverbandes soll nicht eingegangen werden, davon hat man in letzter Zeit genug in den Medien gehört. Sie haben maßgeblich dafür gesorgt, dass die AfD im Saarland, für Wähler aus der Mitte fast nicht mehr wählbar war.

4. Schlechte Presse

Über keine andere Partei wurde im Vorfeld der Landtagswahl so „kritisch“ berichtet wie über die AfD. Das ist im Hinblick auf die teils umstrittenen Figuren des Landesverbandes durchaus nachvollziehbar. Dennoch konnte die massive Negativberichterstattung den Einzug der AfD nicht verhindern. Im Vergleich: Die FDP wird zurzeit in den Medien wieder gefeiert. Und auch die eher links-grünen Journalisten unterstützten traditionell „ihre“ Parteien mit der üblichen wohlwollenden Berichterstattung. Deshalb grenzt es beinahe an ein Wunder, dass sich die AfD-Wähler davon nicht beeindrucken ließen.

5. Höhere Wahlbeteiligung

Um knapp zehn Prozent ist die Wahlbeteiligung im Vergleich zur Wahl 2012 gestiegen. Auch das ist tendenziell eher schlecht für kleinere Parteien, wie sich am schlechten Abschneiden von Grünen und FDP zeigt. Die AfD hat es vergleichsweise gut geschafft, ihre Anhängerschaft zu mobilisieren. Dass die Partei dadurch Nichtwähler (auch AfD-Gegner) an die Wahlurnen gelockt hat, muss jeden Demokraten freuen.

All diese Faktoren belegen, dass die AfD auf eine stabile Stammwählerschaft zurückgreifen kann. Unter „normalen“ Umständen hätte sie darüber hinaus sicher ein Vielfaches an Wählern gewinnen können. Doch die Saar-AfD war und ist der umstrittenste AfD-Landesverband. Es bleibt daher zu hoffen, dass hier bei der nächsten Wahl seriösere Kandidaten antreten. Dann klappt es vielleicht sogar zweistellig.

Saar-AfD
Hochrechnung zur Landtagswahl im Saarland – Stand 19:58 Uhr

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