Gefährdet der Ölpreis die Stabilität im Mittleren Osten?

Ölpreis

Der Preis für Öl ist seit Mitte 2014 stark gefallen. Die Gründe dafür sind vielfältig. Bedingt wurde diese Entwicklung einerseits durch eine steigende Fördermenge der Erdölproduzenten. Insbesondere Saudi-Arabien und die USA sind hierbei zu nennen.

Die Saudis versuchen die Amerikaner vom Markt zu drängen, indem sie mit ihrer Ölschwemme den Preis soweit nach unten drücken, bis die Förderung für die amerikanischen Fracking-Unternehmen unrentabel wird. Es gibt erste Anzeichen dafür, dass diese Kampfpreis-Stategie (predatory pricing) erfolgreich ist. Darüber hinaus haben aber auch die aufgehobenen Sanktionen gegen den Iran dafür gesorgt, dass zusätzliches Öl auf den Weltmarkt landet. Neben einem steigenden Angebot wird überdies auch mit einer sinkenden Nachfrage gerechnet. Vor allen sorgt China hierbei momentan für große Sorgen bei Investoren. Die kommunistische Volkrepublik erlebt zurzeit eine deutliche Abschwächung seines Wirtschaftswachstums.

Dollar hoch, Rohstoffe runter

Ein weiteres Problem für die derzeitige Rohstoffpreisentwicklung ist, dass die US-Notenbank damit begonnen hat, ihren Leitzins langsam wieder anzuheben. Damit wird nicht nur der Euro geschwächt, sondern auch der Preis für Öl weiter gedrückt. Von letzteren profitieren natürlich alle Länder, welche auf Öl-Importe angewiesen sind, weil sie selbst über keine oder nur unzureichende eigene Quellen verfügen. Für Deutschland wird das aber vielleicht nur ein Nullsummenspiel werden, da zwar die Rohstoffpreise sinken, aber durch den schwächeren Euro dieser Effekt wieder kompensiert wird. Momentan überwiegt aber der positive Effekt des niedrigen Ölpreises, was hierzulande zu einem Wohlfahrtsüberschuss führt und spürbare Auswirkungen auf den hiesigen Konsum bzw. das Wirtschaftswachstum hat.

Wo es Gewinner gibt, sind auch Verlierer

Ölexportierende Länder, welche hauptsächlich von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft leben, stehen vor einer großen Herausforderung. Sie verfügen in den seltensten Fällen über andere wettbewerbsfähige Industriesektoren. Die Außenhandelsbilanzen dieser Länder sind daher bereits oftmals deutlich ins Minus gerutscht. Infolgedessen findet ein Nettokapitalabfluss statt, welches die Staaten langfristig in ökonomische Schwierigkeiten bringt. Zwar konnten in Zeiten mit einem hohen Ölpreis, Kapitalrücklagen gebildet werden, doch diese sind endlich. Erschwerend kommt hinzu, dass in den guten Jahren der allgemeine Wohlstand in den Ländern gestiegen ist, aber nun der gegenteilige Effekt eintreten wird.

Mit anderen Worten ausgedrückt: Es muss gespart werden. Die Staaten müssen ihre Ausgaben reduzieren, die Binnennachfrage sinkt, Firmen müssen schließen und die Arbeitslosigkeit steigt. Falls dieser Trend anhalten sollte, drohen Unruhen, was die politische Stabilität einiger Länder gefährden könnte. Venezuela hat deswegen vor einiger Zeit bereits den „Wirtschaftsnotstand“ ausgerufen. Aber auch Russland steht vor schwerwiegenden Einschnitten. Finanzminister Anton Siluanow hat unlängst angekündigt, das prognostizierte Haushaltsdefizit von 36 Mrd. Euro mit dem teilweisen Verkauf des staatlichen Vermögensfond NWF ausgleichen zu wollen.

Mittelfristig werden Staaten mit Liquiditätsengpässen versuchen, weiteres Öl auf den Markt zu werfen, um zusätzliches Kapital aus dem Ausland zu erhalten. Dieses Verhalten könnte daraufhin das Angebot weiter erhöhen und somit den Ölpreis noch stärker unter Druck setzen.

Der niedrige Ölpreis als Gefahr für die fragile Stabilität im Mittleren Osten?

Die Golfstaaten sind von den Einnahmen aus dem Ölgeschäft vollkommen abhängig. Deshalb bleibt zu befürchten das wirtschaftliche Probleme mutmaßlich mit neuen Drohungen und Konflikten in der Region einhergehen. Damit kann von der Misere abgelenkt werden und die eigene Unfähigkeit auf einen Sündenbock abgewälzt werden. Die Gegenspieler Saudi-Arabien und Iran haben also auf absehbare Zeit genug Zündstoff, um weiteres Öl ins Feuer zu gießen. Das Pulverfass am Mittleren Osten bleibt hochexplosiv.

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